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Obertongesang

 


Klangbeispiele

1. Obertöne
1.1. Was sind Obertöne?
1.2. Obertöne - die Seele des Klangs
1.3. Die Obertonreihe
2. Obertongesang
2.1. Okkulte Traditionen
2.1.1. Die Kabbala
2.1.2. Sufigesänge
2.1.3. Die gregorianischen Gesänge
2.2. Obertöne in verschiedenen Kulturen
2.2.1. Die Mongolen
2.2.2. Die Tibeter
2.2.3. Indianer Amerikas
2.3. Resume

3. Einführung Obertongesang
3.1. Kleine Obertonschule
3.1.1. Hören, die Erste
3.1.2. Hören, die Zweite
3.1.3. Hören, die Dritte
3.1.4. Hören, die Vierte
3.1.5. Hören, das Ende



1. Obertöne

1.1. Was sind Obertöne???

Obertöne oder Partialtöne sind die Reihe der über dem Grundton mehr oder weniger stark mitklingenden Töne in bestimmten Schwingungsverhältnissen zum Grundton.

Alles klar oder??

1.2. Obertöne - die Seele des Klangs

Gut, versuchen wirs mal so - Die Klangfarbe jeglichen erzeugten Klangs, ob es nun der einer Stimme, eines Instrumentes, eines Autos, oder was auch immer ist,  liegt in der Obertonreihe begründet.

Zupft man eine Saite einer Gitarre und bringt diese so zum klingen, so hört man nicht nur den Grundton, sondern noch eine ganze Reihe weiterer Töne mit ganzzahligen Vielfachen dieser Grundfrequenz. Die Summe dieser Töne, Grundton und Obertöne, bilden das Klangbild dieses “ Tones “. In jedem Ton den wir anschlagen, streichen, anblasen, singen, sprechen u.s.f. schwingt eine ganze Leiter von Tönen mit. Daß eine Gitarre anderst klingt wie ein Saxophon liegt daran, daß Sie andere Obertöne erzeugt.

Ein “ reiner “ Ton, auch Sinuston genannt, kommt in der Natur niemals vor und kann nur künstlich (elektronisch) erzeugt werden. So ist physikalisch gesehen ein” natürlicher “ Ton bereits ein Klang*, denn er besteht ja aus der Summe seiner Töne ( Grundton + Obertöne).

Es gibt kein Instrument und keine Stimme, die in der Lage wäre eine vollständige und endlose Obertonreihe hervorzubringen. Die Obertöne die hervorgebracht werden schwingen auch nicht gleichmäßig laut, sondern mit verschiedener Intensität.

Es ist nicht erst die Klangfarbe, die von Obertönen erzeugt wird, die Musik selbst wird von Ihnen “gemacht “.

 

1.3. Die Obertonreihe - Basis musikalischen Systeme und Ausdruck mathematischer Verhältnisse

Auffällig und nicht zu erklären ist, daß alle Obertöne, auf die Grundschwingung bezogen, in einfachen Verhältnissen schwingen, die eine arithmetische Reihe bilden.

Oberton Tonname Intervall Solmisationssilbe Teilton Frequenz
  c   do (1) 1 64 Hz
1. c1 Oktave do (2) 2 128 Hz
2. g1 reine Quinte sol (1) 3 196 Hz
3. c2 Oktave do (3) 4 256 Hz
4. e2 große Terz mi (1) 5 320 Hz
5. g2 reine Quinte sol (2) 6 384 Hz
6. b2- kleine Septime sib (1) 7 448 Hz
7. c3 Oktave do (4) 8 512 Hz
8. d3 große Sekunde re (1) 9 576 Hz
9. e3 große Terz mi (2) 10 640 Hz
10. fis3- übermäßige Quarte fa# (1) 11 704 Hz
11. g3 reine Quinte sol (3) 12 768 Hz
12. a3- kleine Sexte lab (1) 13 832 Hz
13. b3- kleine Septime sib (2) 14 896 Hz
14. h3 große Septime si (1) 15 960 Hz
15. c4 Oktave do (5) 16 1024 Hz

Die ursprünglichste Form aller arithmetischen Reihen ist die der ganzen Zahlen 1,2,3,4,5 usw. Die Frequenz aller Schwingungen (Obertöne), die die jeweilige Klangfarbe bestimmen, stehen im selben Verhältnis zur Frequenz der Grundschwingung wie jede beliebige ganze Zahl zu 1. Wie schon gesagt erzeugt jedes Instrument verschiedene Obertöne die aber immer in ganzzahligen Verhältnissen stehen. Es ist nicht möglich daß Obertöne z. B. Im Verhältnis 3.6 oder 7.45 zum Grundton schwingen. Möglich sind nur Frequenzen, die in ganzen Zahlen auszudrücken sind, wobei der Grundton die 1 ist.

Bleiben wir bei der Gitarre und halbieren wir die Saite der Gitarre durch abdrücken schwingt die Saite doppelt so schnell und erzeugt den ersten Oberton (Verhältnis 2:1).

Drücken wir die Saite bei 1/3 ab erhalten wir einen Ton der dreimal so schnell schwingt (Verhältnis 3:2). Es ist der zweite Oberton usw.

Bei Blasinstrumenten passiert dasselbe mit der “ Blasgeschwindigkeit “. Blase ich z. B. Eine Posaune mit doppelter Geschwindigkeit (vom Grundton ausgehend) erklingt der erste Oberton u.s.f..

Die Obertonreihe entsteht also durch die endlose Addition der Zahl eins. Sie ist der Mythos der Zahlen übertragen in musikalische Begriffe oder der Mythos der Musik übertragen in physikalische oder mathematische Begriffe. Je nachdem welchen Standpunkt man einnehmen will. Diese Begrifflichkeit beruht auf  folgenden Faktoren:

1. Der arithmetischen Reihe ganzer Zahlen

2.Die geometrische Reihe, die die Verhältnisse der musikalischen Intervalle  darstellt.

3.Die geometrische Reihe, die die Verhältnisse der Oktaven darstellt.                                         

Intervall   Oberton Oktave
   

Oktave

(2:1)
1──────
erste

Quinte

(3:2)
2──────  

Quarte

(4:3)
3 zweite

Terz

(5:4)
4──────  
 
(6:5)
5  
 
(7:6)
6 dritte
 
(8:7)
7  

Sekunde

(9:8)
8──────  
 
(10:9)
9  
 
(11:10)
10  
 
(12:11)
11  
 
(13:12)
12 vierte
 
(14:13)
13  
 
(15:14)
14  
 
(16:15)
15  
    16─────
usw.
 

Und nun noch einmal  es ist nicht erst Klangfarbe, die von Obertönen erzeugt wird. Die Musik wird von Ihnen gemacht! Es ist nicht möglich wie mit Farben nahtlos von einem ”Farbton “ zum nächsten zu gleiten. Wir rasten ständig und sprunghaft dort ein wo die harmonikalen Intervalle der Obertöne liegen. Andere Abstände will unser Hören nicht   akzeptieren. Er besteht auf seine Proportionen -auf die richtigen Intervalle - “den Wohnorten der Töne”.

Und noch einmal, denn es ist fundamental wichtig:

Ohne Obertöne keine Musik!!!! Sobald Sie fehlen wird das Hinaufgleiten (Mit einem Saiten- oder Blasinstrument ist es garnicht möglich, sondern nur mit Hilfe eines elektronischen Klangerzeugers) zum Krach (Jaulen, Pfeifen, Surren, Quitschen, Rauschen) in dem “Töne” eigentlich nicht mehr wahrzunehmen sind. Die Obertöne entstehen zwar erst, wenn ich einen Grundton erzeuge, doch ohne die Obertöne wäre er nicht als “dieser” Ton zu erkennen.

Wie schwierig mag diese Erkenntnis für einen Europäischen Musiker sein, der glaubt es käme nur auf den Grundton an. Der wirklich glaubt in der Folge der Grundtöne “passiere” Musik. Sie hören eine Geige und ein Klavier, die denselben Ton spielen und machen sich nicht klar, daß die Verschiedenheit des Klangs auf den völlig verschiedenen Obertonreihen, die diese Instrumente erzeugen beruht.

Die Basistöne sind (für das Musikverständnis eines östlichen Musikers) die Verlängerung des “ Handwerkszeugs Instrument “, die Musik “geschieht” in den Obertonreihen. Wer  beim Handwerk stehenbleibt reduziert Musik auf das technische Geschehen. Deshalb versuche die Obertöne zu hören und mit Ihnen zu arbeiten, denn Sie sind die Seele jeglichen Spiels.

*Klang wissenschaftlich - Klang ist Schwingungsenergie in Form von Wellen. Diese Wellen werden wissenschaftlich in Einheiten gemessen, die man Hertz (Hz) nennt. Sie bezeichnen die Schwingungen pro Sekunde, die von dem jeweiligen Klangkörper erzeugt werden. Diese Zahl ist die Frequenz, die wir als normale Menschen als Tonhöhe bezeichnen.

Beispiel: Eine Saite, die in der Sekunde 700 mal hin- und herschwingt erzeugt einen Ton mit der Frequenz (Tonhöhe) von 700 Hertz.


 

2. Obertongesang

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ward durch dasselbe, und ohne dasselbe ward auch nicht eines, das geworden ist. (NT Joh.)

2.1. Okkulte Traditionen

Intention----Vokalisierung-----Visualisierung-----Manifestation

Eine Theorie ist, daß die heiligen Gesänge der verschiedenen religiösen Traditionen, die reich an hochfrequenten Obertönen sind, zu einer neurophysiologischen Aufladung des Gehirns führen, die den Menschen ausgeglichener, zufriedener und belastbarer machen.

2.1.1. Die Kabbala

Die Kabbala ist ein magisches System, das seinen Ursprung in der esoterischen Auslegung des Judentums zu haben scheint. Es besitzt mit eine der ausgeklügeltsten okkulten Praktiken. Basis ist  “der Baum des Lebens “, der zehn verschiedene Existenzsphären aufweist, denen unterschiedliche Eigenschaften, Gottheiten und Bewußtseinszustände zugeordnet sind.

Der Baum des Lebens ist eine geometrische Figur, deren Struktur einem Baum ähnelt. Die Wurzeln reichen in den Bereich Malkuth, den wir als die physische Ebene auffassen können. Der Bereich der Äste wird als Krone bezeichnet. Es ist die Entsprechung für den dimensionslosen Punkt zwischen Manifestation und Nichtmanifestation. Von der Krone aus bewegt sich alles in den Bereich des Erschaffenen.

In der traditionellen hebräischen Kabbala entsprechen bestimmte Seinsbereiche bestimmten heiligen Namen. Durch das Singen dieser Namen begibt sich der Singende in die jeweiligen Bereiche. Es findet eine Harmonisierung statt. Es ist oft sehr schwierig Informationen und Einblicke in bestimmte esoterische Praktiken zu erhalten. Deshalb ist es unter Umständen wirkungslos, z. B. Die heiligen Namen Gottes, zu singen ohne das entsprechende Wissen zu haben.

Der Kabbala zufolge verbindet man sich durch Singen der Vokale mit der Göttlichen Energie. Vokale waren ursprünglich Laute die überwiegend für die “Namen Gottes “ und zu heiligen Zwecken benutzt wurden. Die Konsonanten sind der Körper, die Vokale die Seele. Das Schlüsselwort ist das “AEIOU “. Durch bestimmte Kombinationen schwingt  man sich auf verschiedene göttliche Aspekte ein

In einer der bekanntesten Zuordnungen entspricht der Vokal A dem Element Erde und dem Norden; der Vokal E dem Element Luft und dem Osten; der Vokal I dem Element Feuer und dem Süden; der Vokal O dem Element Wasser und dem Westen; und der Vokal U dem Element Äther und der Richtung “ rundum und überall “.

Beziehungen zwischen Obertönen und Vokalen sind in der Literatur über die Kabbala nicht zu finden - möglicherweise absichtlich.

2.1.2. Sufigesänge

Jeder kennt die Anbetung Gottes in der islamischen Welt. Der Muezzin singt die Anrufung Allahs vom Minarett mit der Kopfstimme in sehr hohen Tönen - Falsett genannt. Er steht mit der Botschaft, die er verkündet in direkter Verbindung.

Bei den Sufis, den Mystikern des Islams, ist diese Technik noch viel weiter entwickelt. Sie haben ein umfassendes Wissen über die Wirkung der Vokale, die Sie zum Heilen verwenden.

Die Basistöne sind die Vokale “A” “ I ” “ U “. Sie werden von allen Mystikern verwendet, die mit Klang arbeiten. Der Vokal “ A “ bewegt sich leicht links vom Hals nach unten und endet im Herzen. Der Vokal “ I “ bewegt sich entgegengesetzt, die Nase hinauf und endet an der Stelle der Zirbeldrüse. Der Vokal “ U “ befindet sich bei korrekter Ausführung an der Spitze der Lippen, da wo Ein- un Ausatmung sich begegnen.

2.1.3. Die gregorianischen Gesänge

Der gregorianische Ritus wurde als Musikform in Europa sehr schnell akzeptiert und erreichte im 8. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Nach der Meinung von Fachleuten war es die erste lebende Kultur des Obertongesangs in Europa. Es wird davon ausgegangen, daß zumindest in einigen Schulen, Obertöne sehr viel bewußter entwickelt wurden als im heutigen gregorianischen Singen. Alle Mönche sangen anfänglich dieselbe Melodie mit verlängerten Vokalen. Dies nannte man “ Cantus planus “. Die verlängerten Vokale erzeugten Obertöne, die wie eine die Mönche begleitende Geisterstimme klang. Die Kirche, der Dom oder die Kathedrale taten ihr übriges dazu.

 Über vermutete okkulte Praktiken ist wenig oder nichts bekannt.

2.2. Obertöne in verschiedenen Kulturen

2.2.1. Die Mongolen

In der Mongolei heißt es: “ Gehe in den Westen zum heilligen Wasserfall und er wird dich das Obertonsingen lehren ”. Höre einfach den Obertönen zu, die er produziert und ahme sie mit deiner Stimme nach bis du sie beherrscht. Man sagt, der Wasserfall sei ein Geschenk für die Menschen, um sie mit den Obertönen bekanntzumachen.

Heutzutage wird die Kunst des Rachensingens ( mongolische Bezeichnung : Xöömij ) nur noch in der weltlichen Musik angewandt.Haupsächlich bei den Tuwans und den Khakassy aber auch bei anderen Stämmen der äußeren Mongolei. Der Gesang erinnert an den Klang einer Maultrommel, einem in der Mongolei wichtigen schamanistischen Instrument. Dies läßt auf eine spirituelle Herkunft schließen. Manche Musikforscher glauben, daß die einem Pfeifen ähnelnden Töne, zur Maskierung der Stimme dienen, wie sie in unterschiedlichen Formen in vielen anderen Kulturen angewendet werden. Ältere Überlieferungen verknüpfen den Obertongesang und das Spiel der Maultrommel mit einer spirituellen Komunikation.

Das Rachensingen ist traditionell ausschließlich den Männern gestattet, da man meinte es würde die Frauen unfruchtbar machen. Diese Überzeugungen sind größtenteils überholt und heute lernen auch Mädchen diese Gesangstechnik.

Nun zur Technik - Zwei klar unterscheidbare Melodien sind zu hören. Die eine ist ein Summen in mittlerer Tonlage, dessen Tonhöhe relativ gleich bleibt. Es ist der Basiston. Die andere Melodie erscheint wie ein schrilles Pfeifen oder wie der Klang einer hohen Flöte. Dies ist die Melodiestimme, die normalerweise 8 - 10 Töne umfaßt, die in ihrer Höhe vom Grundton abhängig sind. Die unterschiedlichen Töne werden durch Veränderungen der Mundhöhle, Öffnen und Schließen des Mundraums, bewerkstelligt.  Ein guter Sänger ist in der Lage über 20 Obertöne klar und unterscheidbar hervorzubringen.

Ich glaube, daß das mongolische Rachensingen aus einem einstmals heiligen Singen entstandt, mit dem die Schamanen* mit Naturgeistern und anderen Wesenheiten kommunizierten und mit dem sie auch heilten.

Schamanismus* - Wahrscheinlich aus dem sibirischen Wort “ saman “ entstanden. Es wird für Menschen verwendet, die man früher als Medizinmänner, Zauberer, Magiere, Hexen oder Seher bezeichnet hat. Es ist eine Frau oder ein Mann, die /der sich zu Zwecken der Heilung seiner selbst oder Anderer mit anderen Welten verbindet um dort Wissen und Macht zu erwerben. Man geht davon aus, daß es die älteste dem Menschen bekannte Form des Heilens ist. Der Schamane verwendet Klänge und Rythmen um Geister zu beschwören und  mit geistigen Welten zu kommunizieren.

2.2.2. Die Tibeter -- Die Melodie des einzelnen Tones

Je Tzong Sherab Senge ein tibetischer Lama erwachte eines nachts aus einem wunderlichen Traum. Er hatte eine Stimme gehört, wie sie noch niemand auf dieser Erde gehört hatte. Sie war unerhört tief und klang eher wie das dumpfe Grollen eines Stieres, als wie die Stimme eines Menschen. Dem nicht genug erschien gleichzeitig eine zweite Stimme, die hoch, rein und klar, wie die Stimme eines jungen Mädchens war. Sie hatten beide denselben Ursprung in ihm selbst. Er erhielt die Anweisung einen neuen Gesangsstil zu begründen der beide Aspekte der göttlichen Energie, sowohl den männlichen als auch den weiblichen beinhalten sollten.Am nächsten Morgen erzählte er seinen Mitmönchen seinen Traum und ließ dabei seine neue Stimme ertönen. Dies geschah im Jahre 1433.

Im selben Jahr gründete er das tantrische Gyume-Kloster. Im selben Jahrhundert wurde das tantrische Gyuto-Kloster gegründet, die diesen Gesangsstil übernahmen.

Tibet lehnte es Jahrhunderte ab mit der “ Außenwelt “ zu kommunizieren und bewarte damit seine Mysterien, bis es 1950 von China besetzt wurde. Nun, da viele Tibetaner außer Lande flüchten mußten sickerte etwas über ihre tantrischen Rituale nach außen. Natürlich auch Beschreibungen einer Gesangstechnik, die man im Westen, in dieser Form noch nie gehört hatte. Lassen wir einen tibetischen Gelehrten** sprechen:

Wir wissen noch nicht wie, aber sie entdeckten Möglichkeiten, durch die Formung der Mund- und Nasenhöhle die Obertöne so in Schwingung zu versetzen, daß sie als selbständige Töne hörbar wurden. Jeder derart geschulte Lama konnte drei Töne eines Akkords gleichzeitig singen, in etwa D, Fis und A. Die religiöse Bedeutung dieses Phänomens ergibt sich aus der Tatsache, daß Obertöne numinose Bereiche wecken, die gespürt werden, ohne deutlich zu werden. Sie haben zu dem, was wir hören, genau dieselbe Beziehung wie das Heilige zum gewöhnlichen, weltlichen Leben. Da das Ziel der Verehrung darin besteht, das Heilige von der Peripherie in den Mittelpunkt des Bewußtseins zu verlagern, hat die Fähigkeit, die Obertöne vom Unterbewußten in den Mittelpunkt des Bewußseins zu rücken, symbolische Kraft. Denn das Ziel der spirituellen Suche besteht eben darin: zu erfahren, daß das Leben reich an Obertönen ist, die von einer Realität erzählen, die empfunden, aber nicht gesehen oder beschrieben werden kann, die gehört wird, aber nicht offen zugänglich ist.

Die von Smith beschriebenen tantrischen Gesänge lassen sich nicht in Worte fassen! Sie müssen erlebt werden. Die tibetansichen Mönche singen einen Basiston der mit 65.5 Hertz schwingt ein Ton der annähernd zwei Oktaven unter dem eingestrichenen C liegt. . Sie erzeugen damit  einen Unterton der eine ganze Oktave tiefer liegt. Es erscheinen noch weitere Töne klar und deutlich, ein Oberton der zwei Oktaven und eine Terz über diesem Unterton liegt. Weniger deutlich, aber auch klar und akzentuiert zu hören sind der 4. und der 9. Oberton. Sie produzieren noch eine “zweite Stimme”, die zwei Oktaven und eine Quinte über dem tiefsten Ton liegt.

Diese “ Melodie des einzelnen Tones “ ist nicht durch üben im herkömmlichen Sinne zu erlangen. Sie wird im Zusammensein mit älteren Mönchen erlernt und stellt sich ein wenn Klang, Atem und Geist zu einer Einheit verschmelzen.

Lassen wir einen Professor für indo-tibetanische Studien** zu Wort kommen:

Die jungen Mönche singen mit einem Meister und lernen, seinen Klang nachzuahmen. Trotzdem wird es nicht für möglich gehalten, daß sie die Technik auf rein mechanische Weise erlernen. Sie üben sich gleichzeitig in allen Aspekten des Dharma*. Das multiphone Singen wird durch die Meditation über Selbstlosigkeit möglich. Nur die Mönche, die eine bestimmte Stufe dieser Meditation erreicht haben, können sich so weit öffnen, daß sie zu einem Gefäß für diesen Klang werden. Der Klang wird von Menschen hervorgebracht, die während sie gegewärtig sind, auf einer Ebene bewußt sind, auf der sie nicht gegenwärtig sind. Der Klang kommt durch sie und nicht von ihnen.

Nochmals zur Verstärkung. Die tibetischen Mönche glauben nicht, daß sie den Ton produzieren, vielmehr sind sie die Mittler durch den sich der heilige Ton verkörpert.

Im Gegensatz zu  Traditionen amerikanischer Indianer oder dem Kehlgesang der Mongolen verwenden die Tibeter  Mantras aus ihren heilligen Texten, die sie in die Melodien einflechten.

*Dharma: Einerseits die Lehre Buddhas, andernteils auch die Wirklichkeit an sich, denn der Buddha lehrt die höchste Wirklichkeit, sein eigenes Sein. So ist der personale Aspekt des Dharma das wahre Sein des Buddha.

2.2.3. Indianer Amerikas

Über die Verwendung von Vokalen Obertönen bei den Indianern Amerikas ist sehr wenig bekannt. Es scheint gewiß, daß Sie ein großes Wissen darüber zu besitzen, doch auf jegliche Fragen schweigen Sie sich aus. 

Der als “ Beautiful Painted Arrow “ bekannte Indianer in der Ute-Tewa-Tradition arbeitet mit fünf Schwingungen. Es handelt sich um Klänge, die innerhalb der Familie weitergegeben werden und sich auch bei anderen großen Sippen dieser Erde finden.

Diese sind:

AA - Reinigung, waschen und säubern;

EI   - Relativität, unsere Beziehung zu allen Dingen verstehen;

II    - Klarheit, den Kontakt zur göttlichen Intelligenz herstellen;

OU - Unschuld und Neugierde;

UU - was uns erhebt, die Gegenwart Gottes;

2.3. Resume

Aus physiologischer Sicht erzeugen vokale Obertöne Veränderungen der Atmung, des Herzschlags, der Gehirnwellen und des Bewußtseins. Verschiedene Bereiche des Gehirns werden von diesen Klängen in Schwingung versetzt und so aktiviert, daß sie Hormone und Neurochemikalien abgeben, die den Eintritt in einen veränderten Bewußtseinszustand erleichtern.

Wirkliche Informationen sind aber noch immer sehr rar, doch ich bin der festen Überzeugung, daß uns auf diesem Gebiet noch echte Überraschungen erwarten werden.

 

3. Einführung in den Obertongesang

Über viele Jahrhunderte widmete man sich der alten und edlen Kunst des Obertonsingens in Tibet und im Norden Indiens, bei verschiedenen sibirisch-mongolischen Stämmen, in buddhistischen Klöstern Chinas und Japans und bei vereinzelten Sängern Südamerikas. Manchmal sind sie in Anklängen zu vernehmen, wie bei der sich überschlagenden Stimme der Flamencosänger, in den Gesängen mancher afrikanischer Stämme oder auch in den folkloristischen Gesängen der Osteuropäischen Kulturen wie z. B. In Rumänien oder Bulgarien. Was ins Auge fällt, ist der überwiegend spirituelle Gebrauch des Obertongesangs.

Eine neue Zeit ist angebrochen und die Jugend dieser Welt beginnt sich diese spirituelle Art des Singens anzueignen, oft ohne jemals von ihren Ursprüngen gehört zu haben. Es entsteht eine neue Obertonkultur in Europa, was es seit den Gregorianischen Gesängen nicht mehr gab. Mit einer ganz eigenen  Prägung - aber immer mehr mit dem Respekt für die Einzigartigkeit dieser spirituellen Gesangsform

Werde ein Teil davon und du wirst selbst spüren - keine Worte können dies Gefühl beschreiben..

 

3.1. Kleine Obertonschule

3.1.1. Hören, die Erste

Bevor wir darangehen uns weiter mit Obertönen zu beschäftigen müssen wir uns mit dem Beginn von Klang beschäftigen - dem Hören. Es scheint völlig selbstverständlich zu sein - natürlich höre ich - wirst du sagen, doch gibt es verschiedene Qualitäten, die man sich durch bewußteres - aktiveres Hörenlernen aneignen kann. So eigenartig es für dich im Augenblick erscheinen mag - erst dieses aktive Hörenlernen befähigt dich bewußte Obertöne zu erzeugen!

Als erstes (und dies gilt grundsätzlich immer, wenn du Obertöne übst, singst, meditierst) werde innerlich ruhig und höre auf die Stille in dir

 - Es gibt keine Stille!!!

Hörst du genau hin hörst du dein Herz schlagen, dein Blut rauschen, deinen Magen glucksen.

Du hörst deine Gelenke knacken und vieles mehr. Lausche allem was in dir passiert und automatisch werden sich auch die Geräusche der Außenwelt einstellen. Vogelgezwitscher, das Rauschen der Bäume, das Plätschern eines Baches und vieles mehr.

Bist du in der Lage dich auf diese Geräusche einzustimmen hast du schon den ersten Schritt geschafft - du hast dein Alltagsbewußtsein ein wenig hinter dir gelassen.

 

3.1.2. Hören, die Zweite

Da Du nun schon in der Lage bist auf die Stille zu hören und somit zwischen aktivem und passivem Hören hin- und her wechseln kannst, kommt die zweite Stufe:

Das bewußte wahrnehmen von Obertönen.

Wie in den vorigen Kapiteln schon mehrfach erklärt besteht jeder Klang aus unendlich vielen Obertönen. Nun versuche bewußt diesen Obertönen in all den Klängen, die dich umgeben, nachzulauschen. Es ist eine neue Welt, die sich dir öffnen wird - und dies im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Veränderungen deines Gehörs bleibt Dir und Du erlangst ein neues Verständnis der Klänge, die Dich umgeben.

 

3.1.3. Hören, die Dritte

Nun kommt zum hören die bewußte Vorstellungsgabe dazu. Was Du eigentlich schon wie selbstverständlich tust, wenn du ein bestimmtes Lied hörst - nämlich Dich hinwegtragen lassen, erlangt durch das bewußte hören der Obertöne eine neue Dimension.

 

3.1.4. Hören, die Vierte

Das Einswerden mit dem Klang, das Verbundensein mit der gesamten Schöpfung durch Klang. Diese vierte Ebene des Hörens ist nicht leicht zu erreichen. Sie ist eine der höchsten Formen der Meditation. Die tibetischen Mönche erfassen ihre “Melodie des einzelnen Tones ”

Als Manifestation der lebendigen Urenergie und nicht als einen Ton, den Sie mit ihren Stimmbändern erzeugen. Dies bedeutet, wir sind nicht der aktive Teil sondern das Gefäß in das der Klang ausgegossen wird. Das verschmelzen mit dem Klang hat etwas mit völligem Vertrauen zu tun - Vertrauen in das Leben.

Der Versuch die Klänge kontrollieren zu wollen führt zu nichts. Der Klang wird sich Dir so nie offenbaren.

Zum Verständnis ein Beispiel:

Während einer Chakrameditation mit einer Gruppe, die an einem Obertonkurs teilnahmen kam es zu folgendem: (Meditationen in Gruppen setzen ein sehr hohes Niveau von Energie frei)

Es war Sommer und der Kurs fand auf dem Lande in einer wunderschönen Holzhütte statt. Keine “ Fremdgeräusche “ wie Autos, Stimmen, Flugzeuge etc. waren zu hören und wir waren alle sehr weit weg, als ich ein Geräusch vernahm, das mich aufhorchen ließ. Ich fühlte mich augenblicklich in eine andere Dimension versetzt, wo ich eingeschlossen in eine Klangwelle (Es ist schwer nachzuvollziehen - die Klangwelle fühlte sich an wie das zufriedene Schnurren einer Katze) gedankenlos vor mich hin schwebte.

Die gesamte Gruppe hatte aufgehört zu singen und lauschte dem Klang. Ein Teilnehmer hatte das Empfinden, daß ein riesiger Lastwegen am ihm vorbeifahren würde. Ein anderer Teilnehmer empfand den Klang wie einen Sturm, der ihn augenblicklich davontrug. Zwei Teilnehmerinnen waren sich einig, den Klang eines tiefen Männerchors gehört zu haben. So hatte jeder sein persönliches Erlebnis. Jeder Einzelne war in der Lage gewesen sich von dem Klang forttragen zu lassen, eins mit ihm zu werden, bis zu dem Ausruf, der allgemeines Staunen auslöste: “ Das ist ja der Kühlschrank, der sich eingeschaltet hat. “

Und schon waren wir wieder im “ Hier und Jetzt “.

 

3.1.5. Hören, das Ende

So wie wir begannen enden wir auch wieder - in der Stille -. Im Nachlauschen erfahren wir den Ursprung.

Die vorab genannten Punkte gelten sowohl für das Zuhören, als auch für das Erzeugen von Obertönen.

Im Programmheft des Harmonic Choir, geschrieben von David Hykes heißt es:

Obertonmusik, die im großen und ganzen in unserer Kultur verlorengegangen zu sein scheint, kann uns helfen, den Zustand der Dinge zu hören. Das bedeutet, daß Musik - das aktive Verständnis der kosmischen Gesetze der Harmonie - vielleicht bei der weltweit benötigten Anstrengung, die gegenwärtige Situation in Harmonie zu bringen, eine Rolle zu spielen hat; nicht indem sie bekehrt, sondern indem sie zu besserem Zuhören aufruft und so vielleicht zur Schaffung von Bedingungen beiträgt, durch die die Menschen eine wichtige Botschaft vernehmen können......, die aus ihnen selbst kommt.

© 2008 Roland Wahl,